Montag, 30. Juni 2008

Nur eine kleine handvoll

halbverhungertes Katzenkind haben mein Ritter und ich heute Morgen zu Grabe getragen.



Die Nichten haben vor etwas über einer Woche 4 kleine Katzenbabies bei ihren Großeltern auf dem Heuboden entdeckt. Eigentlich hatten sich die Pfarrhaus-Bewohner ja einen Kater ausgesucht, damit sie dem Nachwuchs-Problem entkommen. Aber scheinbar hat Tiger seine Liebste mitgebracht und im Heu einquartiert.
Am Sonnabend waren zwei der vier Katzenbabies schon tot. Offenbar hat sich die Katzenmama nicht mehr ausreichend um ihre Kleinen gekümmert. Die beiden anderen waren schon fast zu schwach zum schreien.
Im letzten Jahr haben wir selber ein kleines, von der Katzenmama verstossenes Mini-Katerchen mit der Flasche großgezogen. So hatten wir noch die Katzen-Babyflasche. Mangels Babynahrung wurde den kleinen Mini-Miezen erstmal verdünnte Sahne eingeflößt, damit sie überhaupt etwas im Bäuchlein haben.
Scheinbar hatte die Notfütterung Erfolg, denn die beiden schienen am Abend wieder ganz munter zu sein. Und weil man davon ausgehen konnte, das sich die Katzenmama nicht mehr um ihre Babies kümmert, hat Schwiegermama sie in einem Körbchen in der Küche einquartiert.
Am Sonntag nach dem Gottesdienst war auch das dritte Katzenbaby gestorben.
Und weil man der Meinung war, wir hätten mehr Erfahrung mit der Flaschen-Aufzucht kleiner Mini-Miezen, hat mein Ritter den kleinen Wicht mitgebracht.
(Ich selber hab noch mit dicker Erkältung und Fieber auf dem Sofa gedöselt, um dann mittags so halbwegs aufrecht zur Arbeit zu wanken)
Weil unser Flauschelkater sich im letzten Herbst schon so liebevoll um Mini gekümmert hat, hatten wir gehofft, er würde sich auch dieses kleinen Katzenkinds annehmen.
Aber alle Katzen haben nur kurz an dem Kleinen geschnuppert und sind dann weggegangen. Wahrscheinlich haben sie schon den Tod gerochen. Als Mini sich zum Sterben aufgemacht hat, haben die anderen Katzen ihn auch gemieden, obwohl sie vorher noch alle mit ihm gekuschelt hatten.
Das kleine Katerchen hatte gestern beim Atmen schon so rasselnde Geräusche von sich gegeben. Heute Nacht hatte der Kleine auf dem Schaffell neben meinem Bett geschlafen. Um zwei Uhr Nachts hab ich ihm ein bisschen Wasser-Sahne gegeben, er hat aber nur sehr wenig getrunken. Kurz nach vier bin ich durch leises miezen aufgewacht. Da tappelte der Kleine verzweifelt rufend im Schlafzimmer herum. Ich hab dann noch mal das Fläschchen warm gemacht und dem Kleinen etwas versucht einzuflössen, er hat aber wieder nur sehr wenig getrunken. Damit er nicht so allein auf dem Schaf liegt, hab ich ihn mit ins Bett genommen, wo er in meinen Arm gekuschelt geschlafen hat.
Morgens wurde er immer schwächer und hat auch gar nichts mehr getrunken, während das Rasseln in der Lunge immer stärker wurde. Später fing er dann an nach Luft zu schnappen und wurde zusehends schwächer. Gegen 9.00 Uhr ist er in meinen Armen gestorben.
Armer kleiner Wicht. Aber wir denken, das er durch die lange Hungerei schon so geschwächt war, das er keine Überlebenschance hatte.
Nun liegt er neben Mini unter dem Walnussbaum. Ich hab ihm eine Katzenminze auf sein Grab gepflanzt. Die Pfefferminze, die auf Minis Grab wächst, breitet sich auch so langsam aus.


Diesmal hab ich kein Kreuz gebastelt.













Dienstag, 24. Juni 2008

den Sommer eingefangen

habe ich in 77 (in Worten: Siebenundsiebzig!) Gläsern Marmelade und Gelee.

In den letzten drei Wochen war ich zweimal auf der Erdbeerplantage, ausserdem war der Rhabarber in meinem Garten erntereif, ebenso die vielen duftenden Rosen.
Gestern hab ich in 1 1/2 Stunden knapp 10 kg Erdbeeren gepflückt und eingekocht.
Beim ersten Plantagenbesuch waren es "nur" etwas über 4 kg.



Entstanden sind:

7 Gläser Erdbeer-Kokos-Marmelade

4 Gläser Erdbeer-Marmelade mit Balsamico und grünem Pfeffer

5 Gläser Erdbeer-Marmelade mit frischer Pfefferminze

5 Gläser Erdbeer- Sekt - Gelee mit Erdbeerstückchen

6 Gläser Erdbeer- Chutney

9 Gläser "normale" Erdbeer-Marmelade

7 Gläser Erdbeer-Marmelade mit dunkler Schokolade und schwarzem Pfeffer

15 Gläser Erdbeer-Rhabarber-Marmelade

4 Flaschen Erdbeersoße

8 Gläser (Gläschen) Erdbeer-Rosengelee

7 Gläser Rosengelee


Jetzt kann der Winter kommen :-)
Eigentlich kribbelts mir ja schon wieder in den Fingern... Ein paar Gläser Erdbeerkompott wären sicher auch noch ganz nett... Mal sehn, ob ich morgen noch mal zur Plantage fahre.

Samstag, 21. Juni 2008

Sommerbegrüßungswichtel

Im Naturseifenforum lief mal wieder eine Wichtelaktion, wo ich uuuuunbedingt mitmachen musste!! *grins* (hab ich schon mal erwähnt, das ich Wichtelsüchtig bin?? *rotwerd*)

Weil ja heute, am 21. Juni Sommeranfang ist, kam Dino auf die nette Idee, diesen Tag gebührend mit einem Sommerbegrüßungswichtel zu feiern.
Mein Wichtelpäckchen kam schon am Donnerstag.
Heute durfte ich es endlich öffnen!



Als ich den Karton geöffnet hab, strömte mir eine wunderbare Kokos-Duftwolke entgegen. Kokos ist für mich der Sommerduft schlechthin! Erinnert mich an Sonne, Meer, Strand, Kokos-Sonnenöl und Pina Colada

Scheinbar konnte meine Wichtelmama hellsehen. Die ganze Zeit wollte ich nämlich in dem "was mag jeder" fred einiges ändern, z.B. das ich Kokos mag..

Nun gut, lange Rede, kurzer Sinn... (ich schreib grad etwas wirres Zeug, weil ich nämlich den Inhalt der Flasche, die in dem Päckchen war, schon mal getestet hab.. *mjammm!*)



Neben dem leckeren Kokosduft kamen zum Vorschein:
Badepulver Milk&Honey
Badepraline Kokos Badepraline Apfel
Eine wunderschöne grüne Birnenseife (duftet superlecker)
eine wunderschöne Schichtseife "Tropical Islands" sieht umwerfend toll aus und duftet zum reinbeissen!
Dann gab es noch lecker Kokosriegel und eine große Flasche mit geheimnisvoller Flüssigkeit. Tapfer, wie ich war, hab ich gleich mal probiert und, ihr glaubt es nicht: der absolut oberleckerste Kokoslikör überhaupt ist drin! *mjammm***

Liebe Wichtelmama , hab gaaaanz herzlichen Dank für dieses tolle Päckchen! Ich freu mich riesig! Jetzt muss ich nur noch rausfinden, wer hinter diesem Absender steckt! Irgendwie kenn ich den Absender, komme aber nicht drauf, welcher Nick dahinter steckt.

der halbgrüne Horror

ja, wer hat denn bloß die Zeit dazu, solche Päckchen zu packen??
Lustig bunt beklebt und mit seeehr viel Paketklebeband zugeklebt.


Das kann doch nicht wahr sein, das dieses Päckchen jetzt bei MIR gelandet ist? *verwundert-am-Kopf-kratz*

Nachdem ich dann endlich die Mengen an Klebeband mit meinem Messerchen durchtrennt hab, sprang mir dieser entgegen:
Wuääääääääääh!! Der halbgrüne Halbhorrorwichtel!!
(Und, liebste Turbo-Sockenstrickerin, WAS war daran jetzt HORROR?)

Das Auspacken der schrecklichen Dinge nahm gar kein Ende. Ich bin immer wieder erstaunt, was so in ein Kartönschen passt. *smile*
Also, drin waren: ein geheimes Geheimbuch (hab schon ein paar Seiten gelesen und musste erst mal aufhören wegen Lachkrampf)
eine Kassette für den erlesenen Musikgeschmack. (Lieder so schön wie der Norden). Naja, die werd ich mal dem Musiker im Hause verehren *big-grin*)
Ein Roman über das Leben der schönen Deirdre
Lecker Tee (klingt doch gar nicht mal so schlimm... Na gut, Grünen Tee mag ich auch nicht so, aber sonst, so mit Zimt und Korinthen und Lyciis... )
getrockneter Salbei
eine obergeniale, witzige, zipfelige gestrickfilzte Tasche (wow, die sieht so klasse aus!!! Ehrlich!!)
Etiketten für meine Kräuterlies
eine Aloe vera
eine Schokominze (mjammm!! Duftet lecker nach Aftereight)
noch ein Kraut, wo mir grad entfallen ist wie es heisst
ein supercooler grüner Pulli!!! (Wow!! Du wolltest den nicht wirklich wegschmeissen, oder??? Der ist oberaffengeil. Und passt sogar *grins*. Schade, das grad Sommer ist und viel zu warm dafür)
eingefilzte Stein-Seife
Siggi-Seife (och, sieht doch gut aus!!)



Zuckerschock-Marmelade
Apfelgelee mit Weißwein (klingt lecker )
Waldmeistergelee
Minzlikör
eine kleine Eule mit Knopfaugen




Und dann noch ein paar super Siggi-Socken. (Wow, Du bist ja ne Turbo-Sockenstrickerin!! Da hätte ich Jahre für gebraucht! Mindestens! Aber coole Wolle hast Du *grins*)
Und passen wie angegossen!

Ich bin quasi sprachlos!! DANKE SCHÖN!!!
Also, solche Horrorwichtelpäckchen find ich klasse :-)
Und ich werd Dir auch bestimmt nicht verraten, was für mich echter Horror wäre *smile*

Sonntag, 15. Juni 2008

angestrickt und genäht

Weil ich doch so neugierig war, wie die Regenbogen-Farbverlauf-Wolle verstrickt aussieht, habe ich am Freitag mal angefangen und ein wenig mit dem Zwirn gestrickt.

Die Sockenwolle hab ich an Siggi geschickt, damit sie mir Socken daraus strickt. *freu*

Ist doch toll, wenn man durch Horrorwichtelpaketverschickaktionen den Leuten das Gefühl gibt, sie müsssten sich revanchieren... Ein bisschen peinlich ist es mir ja, aber da Siggi ja grad ein superlangwieriges Lace-Tuch strickt und gern mal etwas Abwechslung zwischendurch haben wollte, tu ich ihr ja quasi einen großen Gefallen damit, das sie mir zwischendurch ein paar Socken stricken darf. *big-grin*

Das der Schurwollzwirn nicht so toll färbt, ist mir schon bei anderen Färbereien aufgefallen. Trotz gründlicher Vorwäsche nimmt der Zwirn die Farben nicht so gut an und bleibt eher blass und leicht stumpf. Schade. Nach dem trocknen ist der eigentlich sehr schöne Blau-Anteil der Wolle stark verblasst, so das sie jetzt grün, grau-grün, bläulichgrün und gelb ist. Das Strickbild gefällt mir soweit ganz gut, nur finde ich die gelben Stellen etwas grell in dem eher sanften grün-blau.

Wenn es fertig ist, soll das so eine Art rundgestrickter Schal mit genug Breite zum übern Kopf ziehen werden. Ich sehe schon, verbal bin ich heute wieder in Höchstform... *grins*




Und auch hier wieder mein Fotoproblem: die Wolle ist eigentlich viel grüner als auf dem Bild!


Dann hab ich gestern endlich mein Mittelaltergewand fertig genäht.
Dazu ein paar Worte vorweg: ich weiß, die Authentischen raufen sich ob dieses Frevels grad die Haare!! Das Gewand ist nämlich mit der Maschine genäht! Oweia, geht gar nicht...


Geht doch, weil ich nämlich keine Zeit fürs Handnähen hab. Und auch nicht besonders gut mit der Hand nähen kann. Das wird dann krumm und schief und unschön. Hab ich schon versucht.
Naja, und nach diversen langen Diskussionen in einem Mittelalter-Handwerksforum hab ich dann ja auch erfahren, das mein Stoff sowieso nicht "a" ist, weil er viel zu fein ist. Desweiteren ist mir grad nicht bekannt, ob um 1170 schon mit schwarzer Stockrose gefärbt wurde.
Durch die etwas unerfreulichen Diskussionen mit Menschen, bei denen jeder Stich, jeder Faden und alles genauestens historisch belegt und begründet sein muss, bin ich erstmal davon abgekommen, mit meinem recht unzureichenden Wissen "a-taugliche" Kleidung zu nähen.

Dieses Gewand ist also ein Kompromiss. Weil ich beschlossen hab, das "A" erstmal etwas kleiner zu schreiben, um überhaupt mal anfangen zu können. Ich hoffe, das dann eines Tages die Zeit und das Wissen ausreicht, um ein Gewand aus dem richtigen Stoff, mit den richtigen Farben gefärbt und richtig per Hand zu nähen. (Das Leinen fürs authentische Untergewand liegt schon bereit. Ebenso ein von der Dicke her passenderer Wollstoff. Den muss ich dann "nur" noch färben...Was bei der Dicke des Stoffes in meinem nur 80Liter fassenden Färbetopf schon wieder schwierig wird. Und überhaupt, richtig "a" ist diese Färberei dann ja auch nicht. Die hatten nämlich noch keine elektrischen Färbetöpfe. Ach, da fällt mir ein, der Stoff ist Maschinengewebt...)

Da taucht bei mir immer die Frage auf, was authentischer ist: handgenähte Kleidung aus mit Simplicol gefärbten Stoffen (hab ich schon mehrfach gesehen, bzw. wurde mir auch von den "Authisten" bestätigt, als ich auf dieversen Lagern Leute auf die Farben ihrer Kleidung angesprochen hab) oder Maschinengenähte Kleidung aus selbst pflanzengefärbten Stoffen.
Hmmm...

Jedenfalls ist das Gewand jetzt fertig. Das Unterkleid ist aus altem Bettlaken (Baumwoll-Leinen-Gemisch), die Cotte aus pflanzengefärbtem Wollstoff, der aber zu fein ist.
Bilder gibt es bei Gelegenheit.

Donnerstag, 12. Juni 2008

circa 1325

Motten haben wir heute in der Werkstatt erschlagen.
Mindestens. Wenn nicht noch mehr.

Diese gefrässigen kleinen Monster!!! Überall hingen sie: in der Filzwolle, in der unversponnenen Wolle, in Dorotheas Ausstellungsstücken... überall!

Natürlich auch am Webstuhl. Ich hoffe, die haben nicht zuviele der ohnehin schon reichlich maroden Kettfäden angeknabbert.



Die beste aller Schwiegermütter auf Monsterjagd.
"Da war doch noch grad eine! Am Webstuhl!!
Wo isse denn jetzt hin?
Na warte, Du entwischt mir nicht!!!"

Kasimir


Nun endlich möchte ich der geneigten Leserschaft mal meinen treuen Freund Kasimir vorstellen!

Bisher hat auch mein Ritter die Existens des Nebenbuhlers recht gelassen hingenommen. Wahrscheinlich, weil ich doch recht wenig Zeit mit Kasimir verbringe.

Und weil ich ein ganz, ganz fauler Mensch bin, stibitze ich den Eintrag aus meinem alten Tagebuch, den ich an dem Tag verfasst hatte, als Kasimir in mein Leben trat:






Endlich. Endlich ist er da! Nachdem ich schon den ganzen Winter sehnsüchtig auf ihn gewartet habe! Voller Spannung, Bangen und Hoffen: Wie wird er sein? Wie sieht er aus? Komme ich mit ihm zurecht?

Jetzt endlich, Donnerstag vor einer Woche kam er: ein gewaltiges, hölzernes Ungetüm. Staubig. In Einzelteile zerlegt.

Mit ihm kam ein Engel: Waltraud. Ende 70. Weberin.

Sie hat den Haufen wirrer Holzteile, Litzen, Fäden, Hebel und Schnüre zusammengefügt und ihm neues Leben eingehaucht. Und da steht er nun, in voller Pracht und Schönheit: Kasimir, ein alter Bauernwebstuhl. Gebaut Ende 1800 oder Anfang 1900. Genau weiß das Niemand mehr. Jeder Webstuhl hat einen eigenen Charakter. Da gibt es Widerspenstige, Zaghafte, Wankelmütige. Solche, die immer fremd und unbequem bleiben, und solche, die einen sofort Willkommen heißen und mit dem man sich wohlfühlt. Und so wie jeder Webstuhl eine eigene Persönlichkeit ist, bekommt er einen Namen. Dieser heißt Kasimir. Schon seit Urzeiten. Zumindest behauptet Waltraud das. Und sie kennt ihn schon lange. Früher hat sie selbst auf ihm gewebt. Da war er auch schon ein alter Herr.





Dann brauchte ihn Niemand mehr. Waltraud hat ihren eigenen Webstuhl (hab vergessen zu fragen, wie der heisst). Jetzt hat er ein neues Zuhause. Und ein neues Leben. Nachdem er seit 12 Jahren zerlegt auf dem Dachboden der Neinstädter Anstalten vor sich hinstaubte. Und vermutlich irgendwann im Sperrmüll gelandet wäre.





Die Gesellschaft für Lebensorientierung (LEO e.V.) hat ihn gekauft. Jetzt steht er im Birkenhof in der Webstube und leistet unseren beiden Tischwebrahmen Gesellschaft. Neben ihm sehen die beiden richtig klein aus: Steffis Webrahmen ist 1,00 x 1,00m, und der, an dem ich bisher gewebt hatte, etwa 0,80 x 0,80m. Jetzt darf ich auf Kasimirs schmaler, etwas wackeliger Bank Platz nehmen und Weben. Er hat zwar nur zwei Tritte, aber immerhin schon eine Schnellschußlade (die ich aber nicht verwende, weil die alte Kette, die noch drauf ist, schon 12 Jahre alt und etwas marode ist. Es reißen sowieso dauernd Kettfäden.) Aber wenn diese Kette abgewebt ist, kommt eine neue (hoffentlich farbige!) Kette drauf, und dann werde ich den Schnellschuß einbauen! Wow, und dann flitzt es nur noch so! Muss dann aber einen Schutz an die Wand schrauben, damit das Schiffchen, falls es mal ausbüxt, keine Löcher in die Wand rammelt. Bei dem Webkurs in Kukate im Wendland letzten November ist mir das dauernd passiert.



feines Stöffchen :-)
aus selbstgefärbter Wolle: verschiedene Braun- und Beigetöne mit Walnußschalen, das rot ist mit Cochenille und Krapp gefärbt, nach Rezept Nr. 14 aus Dorotheas Färbebuch


Heute haben Steffi und ich gewebt. Beziehungsweise habe ich viel Zeit damit verbracht, gerissene Fäden anzuknüpfen. Steffi ist 38 und schizophren. Durch Medikamente zwar jetzt ziemlich “normal”, hat aber hier im Dorf kaum Kontakte und kommt kaum raus. Meine Schwiegermama ist ein wunderbarer Mensch, mit einem großen, weiten Herzen und viel Mitgefühl für andere. Sie kam dann auf die Idee, das wir zwei doch zusammen weben könnten. Schliesslich standen die beiden Tischwebrahmen seit Jahren ungenutzt in der Scheune im Rittergut. So weben wir seit letzten Sommer in der Werkstatt im Birkenhof, und ich höre mir Steffis Geschichten an. Ist manchmal nicht leicht, schliesslich bin ich auch kein Psychotherapeut oder sowas. Aber sie ist total glücklich, das ich mir Zeit für sie nehme. Und das Weben ist wirklich toll. Besonders jetzt, seit Kasimir da ist!





mein "Alter".
Das soll mal eine Umhängetasche werden. Dicke Dochtwolle, gefärbt mit Krapp und Myrthe plus Eisensulfat

Mittwoch, 11. Juni 2008

Frau Pfaff

hat mich heute geärgert. Genauer, sie hat mich grad an den Rand des Wahnsinns getrieben. Oder haarscharf über die Klippe... Grrrrmpf!

Sie ist ja schon ein betagtes Mädchen, das gestehe ich ihr ja zu. Und da darf sie auch mal rumspinnen. Aber das heute war echt nicht mehr schön.

Alle paar Zentimeter ist der Faden gerissen, und die Fadenspannung liess sich zur Abwechslung mal gar nicht regeln. Da hatte Frau Pfaff ja schon seit Jahren ihren eigenen Willen.

Schon, als sie noch in Mamas Diensten stand. Auch der Reparaturfritze konnte ihr diese Flausen nicht austreiben. Da hatte man die optimale Fadenspannung eingestellt und ein Stückchen genäht, und "plong" war der Faden gerissen, weil die Fadenspannung plötzlich bombenfest war. Oder andersrum, man bekam plötzlich lustige Schlaufen. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Quasi aus heiterem Himmel.


Eigentlich wollte ich heute mal eben schnell mein Mittelaltergewand nähen.

Aus dem grünen Zwiebel-Stockrosen-Stoff. Den Krapp-Stoff hebe ich noch auf. Derzeit steht mir der Sinn eher nach grün.

Und eigentlich geht das nähen superschnell. Das sind ja nur ein paar Rechtecke und Dreiecke, die da zusammengenäht werden.

Was immer sehr langwierig und Nervenaufreibend ist, ist überhaupt einen Anfang zu finden. Es fällt mir immer unsagbar schwer, ein großes Stück Stoff zu zerschneiden. Besonders, wenn man den Stoff in stundenlanger Arbeit selbst gefärbt hat. Ist der Stoff erstmal zugeschnitten, geht alles ganz schnell. (meistens. Wenn Frau Pfaff nicht grad ihre Spinn-Attacken hat)

Das Untergewand hatte ich schon im letzten Sommer begonnen und fast fertig. Es musste nur noch der Halsausschnitt und die Ärmel versäubert werden, das Gewand auf eine einheitliche Länge gebracht und gesäumt werden. Das ging super, und Frau Pfaff hat artig ihren Dienst getan.

Nur eben den Wollstoff mochte sie wohl nicht so gern. Oder sie dachte, es wäre schon Zeit für Feierabend. Oder was auch immer so im Hirn (äääh... oder was auch immer Frau Pfaff zum Denken benutzt) einer Nähmaschine für lustige Ideen rumspuken.

Nachdem ich also ca. alle 10 cm durch ein lautes "Plinggg" aus meiner Näh-Ekstase gerissen wurde und wieder neu einfädeln musste, hab ich jetzt erst mal aufgegeben. Mal sehn, morgen geht es bestimmt wieder... *hoff-hoff*


Das also ist sie, die gute alte Frau Pfaff. Mama hatte sie irgendwann Mitte der siebziger gekauft, nachdem einige ihrer technikbegeisterten Kinder die alte Tret-Nähmaschine zu Tode gequält hatten. (*schäm*. Aber auseinandergenommen hatte sie mein Bruder! Ich hab mir nur über den Daumen genäht)


Morgen Vormittag werde ich erst mal wieder Kasimir einen Besuch abstatten. Der arme hat mich auch schon seit Monaten nicht mehr gesehen. Zumindest nicht zum weben. Hin und wieder war ich ja in der Werkstatt zum saubermachen und Motten killen. Dieses Jahr sind wir scheinbar von der großen Plage verschont geblieben, nachdem diese gefrässigen kleinen Monster ja letztes Jahr so gewütet haben und wir Literweise Neem-Öl versprüht hatten.

Dienstag, 10. Juni 2008

Aufruhr im Gemüsebeet

Da gibt es ein wunderbares Kinderbuch von Sven Nordquist.

Petterson und Findus kennt wohl mittlerweile jeder.

Seit mein Bruder vor vielen Jahren mal "eine Geburtstagstorte für die Katze" unserer jüngsten Schwester, Rebecca, zum Geburtstag geschenkt hatte, sind wir alle Petterson und Findus- Fans.


Und das die Geschichten voll aus dem Leben gegriffen sind, hab ich erst gestern wieder gemerkt.

Endlich hatte ich das viel zu spät ausgesäte Gemüse (Mais und Futterkohl für die Ninchen), diverse Färbekräuter (Färbekamille, Tagetes, Ringelblume) und Kürbispflänzchen in das Beet über dem abgerissenen Klohäuschen gepflanzt. Als ich Nachmittags in den Garten kam, traf mich fast der Schlag: das ganze Beet komplett umgebuddelt und verwüstet, die Pflänzchen herausgerissen, zerknickt und teilweise angeknabbert. Mittendrin in der Zerstörung: ein glückliches Huhn.

Das Ausbrecher-Huhn hatte es mal wieder geschafft, und ist scheinbar schnurstracks in mein frisch gepflanztes Beet gewetzt und hat nach Würmern gesucht.

Jetzt haben wir den Zaun des Hühnergeheges schon auf über 2 Meter erhöht, aber das Ausbrecherhuhn kommt trotzdem drüber. Ich hab bloss keine große Lust, jetzt auch noch über das Gehege ein Netz zu spannen, damit Hühnchen drin bleibt.

Aber wenn es immer ausbüxt und meinen Garten verunstaltet ist das auch nicht so toll...
Vor lauter Schreck hab ich gar kein Foto von dem Desaster gemacht.

Samstag, 7. Juni 2008

endlich grün!!

Ich bin ja schon seit langem auf der Suche nach einer Möglichkeit, ein richtig schönes grün mit Pflanzenfarben zu färben. An die Indigo-Färbung hab ich mich bisher noch nicht rangetraut, bzw. ich konnte mich bisher einfach nicht dazu aufraffen.

Aber jetzt hab ich eine Alternative gefunden: schwarze Stockrosenblüten (Alcea rosea).
Die schwarze Stockrose, die ich vor zwei Jahren gekauft hab, hat im letzten Jahr reichlich geblüht. Dazu hatte ich mir bei dem Farbdrogendealer meines Vertrauens im letzten Sommer 500g Stockrosenblüten bestellt.

Und endlich hab ich auch damit gefärbt!


Das sind knapp 600 Gramm Blüten der schwarzen Stockrose, die auch Malve genannt wird.


Die Blüten werden mit kochendem Wasser überbrüht und 5 Minuten ziehen gelassen. Hier hab ich sie schon abgeseiht und in einen Stoff-Einkaufsbeutel gebunden. So langsam gehen mir die alten Bettlaken aus, in die ich sonst die Färbedrogen eingebunden habe.
Was für eine intensive Farbe! Beim Abseihen hab ich mir ein wenig Farbflotte übers Bein gekleckert, das war erst nach kräftigem Schrubben mit Wasser und Seife zu entfernen. Meine Hände sind inzwischen (nach zwei Tagen) auch fast wieder sauber.



Hier überfärbe ich drei Stränge Zwiebelgefärbter Wolle. Das ist der zweite Versuch, einen schönen Farbverlauf hinzubekommen. Bei der Brennesselfärbung war das Ergebnis ja eher dezent.


Ergebnisse: 4 Meter feiner Wollstoff, 500 Gramm Schurwollflamme, 200 Gramm Schurwolldochtgarn, 100 Gramm Schurwollzwirn (in gelb, grün, blau), 100 Gramm Merino-Sockenwolle (in gelb, grün, blau), 100 Gramm Merino-Sockenwolle, 100 Gramm Merino / Glanzacryl-Sockenwolle,




Hier noch mal mit der restlichen Zwiebelwolle.
Der Stoff gefällt mir auch sehr gut! Den habe ich zweimal gefärbt. Nach der ersten Färbung war er mir noch zu blass und auch sehr fleckig, da hab ich ihn kurzentschlossen nach dem Waschen noch einmal für eine Stunde gefärbt und über Nacht in der Farbflotte auskühlen lassen.




Das ist meine absolute Lieblingswolle: 100% Merino-Sockenwolle im Farbverlauf.
Ich hätte nie gedacht, das man mit Pflanzenfarben so schöne, leuchtende, klare Farben hinbekommt! Sowas kannte ich nur von Chemie...






Die gefällt mir auch. In echt ist das grün noch viel grüner und leuchtender. Irgendwie mag meine Digicam scheinbar die Grüntöne nicht richtig einfangen.
Das sind 500 Gramm Schurwollflamme. Mir gefallen die Farbschattierungen sehr gut. Die Wolle wirkt unglaulich lebendig. Bin schon ganz hibbelig, wie sie verstrickt aussehen wird.




Auf diesem Bild kommt das Grün der Realität sehr nahe. Die Wolle hat annähernd dieselbe Farbe wie die Blätter.
200 Gramm dicke Dochtwolle.






Freitag, 6. Juni 2008

rosige Zeiten

Durch die Hitze der letzten Tage sind viele Rosen explosionsartig aufgeblüht.
Und leider auch ebenso schnell verblüht.
Deshalb habe ich vorgestern und heute alle Blüten, die schon weit offen und am verblühen waren, gepflückt.


Diese Pracht kann man ja nicht einfach umkommen lassen, oder?




Das Ergebnis sind 10 Gläser Rosengelee, die ich am Mittwoch gekocht habe. Die Ausbeute von heute Morgen habe ich mit Zucker und Korn angesetzt. Das wird wieder leckerer Rosenlikör!


Ich hoffe ja, ich bekomme in den nächsten Tagen von Christiane noch ein paar Blüten ihrer herrlich duftenden, dunkelroten Kletterrose.


Ich selber habe überwiegend hell- und dunkelrosa Rosen. Das Gelee ist diesmal ziemlich blass geworden. Trotz Zugabe von kristalliner Weinsäure.

Donnerstag, 5. Juni 2008

endlich Urlaub!!


endlich Urlaub!! Zwei volle Wochen!
Nach dem letzten Horror-Wochenende hab ich den auch bitter Nötig!
Am Wochenende tobten ja diverse Unwetter durchs Land. Bei uns war es (verglichen mit diversen Gegenden in Süddeutschland) zwar eher harmlos. Es gab nur Sturm, Blitz und Donner, heftigen Regen und einen überregionalen Stromausfall, der mehrere Orte in der Gegend getroffen hatte.
Ich hatte am Wochenende Dienst. Im Altenheim. Und ausgerechnet an diesem WoE kam Frau Pflegedienstleitung auf die Idee, man könnte ja mal testen, ob man die Arbeit mit noch weniger Personal bewerkstelligen könnte. Da waren wir nur noch zu dritt für eine Arbeit, die mit 4 Leuten grad so zu schaffen ist. Von den 22 Bewohnern auf unserer Station sind 4 Schwerstpflegefälle. Dann gibt es noch 7 Leute, die aus verschiedenen Gründen nur zu zweit gehoben / bewegt werden können. Naja, und dann noch einige "leichtere" Fälle.
Spassig wird es, wenn dann auch noch der Strom ausfällt und man die Leute im Akkord mit Taschenlampenbeleuchtung waschen muss...
Ich schreib nachher noch mal was dazu...
Zurück zum Urlaub:
Ich werd es machen wie die Miez: mich faul den ganzen Tag in irgendeinem kühlen Eckchen rekeln und NICHTS TUN!
Naja, fast nichts... Ein paar Dinge hatte ich mir schon vorgenommen:
- den Garten in Ordnung bringen
- Indigo-Färbung
- Stockrosen- Färbung
- Mittelaltergewand nähen (aus dem Krapp-gefärbten Wollstoff, den ich im letzten Sommer gefärbt habe)
- Klamotten nähen (hab mir doch ein paar tolle Schnittmuster im Lagenlook bestellt)
- Keller aufräumen
- diverse Bücher lesen (der Stapel ist schon wieder auf ca. 20 Bücher angewachsen)
So. Genug gefaulenzt! Ich geh jetzt raus, in den Garten!